Baugeschichte – im Wandel der Zeiten

Der Baubeginn der Plauer St. Marienkirche fällt in die Gründungszeit der Stadt um 1225. Altes Mauerwerk aus dieser Zeit findet sich noch über dem Gewölbe der Sakristei oder auf der Südseite des Altarraums.


Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte erlebte die Kirche viele bauliche Veränderungen. Kriegerische Auseinandersetzungen und mehrere Stadtbrände hinterließen Spuren. Restaurations- und Erhaltungsmaßnahmen im jeweiligen Zeitgeschmack prägten das Kirchengebäude zusätzlich.


Dabei dominieren besonders die tiefen Eingriffe in die Bausubstanz, die mit der umfassenden Restaurierung der St. Marienkirche in den Jahren 1877 bis 1879 vorgenommen wurden. Das 1696 zerstörte Turmgewölbe wurde erneuert, die Turmhalle erhielt ein zweites Portal, die Kirche bekam eine neue Ausmalung und das Gestühl sowie umfangreiche Emporen wurden eingebaut. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde auch der aus Feldsteinen errichtete romanische Chor der Kirche weitgehend abgetragen und im Stil der Neugotik mit einer ungewöhnlichen Deckenkonstruktion neu aufgebaut. Nur Teile der Südwand mit einer durch einen Vorbau verdeckten Priesterpforte und der Nordwand blieben in der ursprünglichen romanischen Bauweise erhalten.

Baugeschichte

 

Portal – Herzlich willkommen!

Besonders in den Sommermonaten erfreut sich die Plauer Stadtkirche täglich zahlreicher Besucher. Durch das große Portal mit dem bunten Fenster in leuchtenden Farben betreten sie das untere Turmgeschoss, das Ende des 13. Jahrhunderts aus Feldsteinen gebaut wurde.


Im Turmraum fällt der Blick nach links auf eine Pietà, die 1922 vom Plauer Bildhauer Wilhelm Wandschneider als Erinnerungsmal an die 146 im Ersten Weltkrieg gefallenen Plauer Bürger geschaffen wurde. Auf der rechten Seite befinden sich zwei Grabplatten aus dem 18. Jahrhundert. Zwei Holztafeln erinnern an die Befreiungskriege und den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.


Geht man weiter in Richtung Kirchenschiff, trifft man auf eine Skulptur, die Mose mit den Tafeln der Zehn Gebote darstellt. Die Figur mit dem seltsam anmutenden Kissen auf dem Kopf trug einst die alte barocke Kanzel der Kirche. Gegenüber laden die ersten Stufen zum Turmaufstieg ein.

Portal

Turm – Blick ins Buch und in die Ferne 

Eine Kirchturmbesteigung lohnt sich. 120 Stufen führen auf den ca. 41m hohen Kirchturm hinauf. Wer eine Pause beim Treppensteigen machen möchte oder sich zu den Bücherwürmern oder Leseratten zählt, dem sei ein Besuch in der Bücherstube auf halbem Weg empfohlen. Weiter oben leben Turmfalken und Dohlen. Aus der Glockenstube kann man bei guter Sicht über die Dächer der Stadt Plau auf die Umgebung und bis auf den Plauer See hinausblicken.

Turm

Glocken – Freud und Leid

Drei Bronze-Glocken aus drei Jahrhunderten begleiten das Leben der Kirchengemeinde in Plau und künden von erfreulichen, aber auch schmerzlichen Ereignissen. Die älteste und kleinste Glocke („Kleiner Peter“) stammt aus dem Jahr 1522 und gehörte bis 1648 in die später abgetragene Dorfkirche St. Nikolai zu Quetzin. Als besondere Erinnerung an diese kleine Nachbarkirche kam sie um 1700 nach Plau. In diesem Jahr wurde die mittlere Glocke („Gebetsglocke“) gemeinsam mit zwei weiteren Glocken gegossen und das Geläut so auf vier Glocken aufgestockt. Die heutige mittlere Glocke blieb erhalten, die beiden anderen Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Um ihren Verlust zu ersetzen, goss die Firma Schilling in Apolda 1963 eine neue Bronzeglocke, die jüngste und größte der drei Plauer Glocken („Ewigkeitsglocke“). Mit ihrem Gewicht von 4.097 kg gehört sie zu den größten Glocken Mecklenburgs. Die beiden älteren Glocken wurden nach aufwändiger Restaurierung im Mai 2002 neu geweiht.


An jedem Werktag erklingt um 8 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr das Geläut der Plauer Glocken.

 

Glocken

Kirchenschiff – Blumengesäumtes Himmelsgewölbe

Geht man unter der Orgelempore hindurch, eröffnen sich die imponierenden Ausmaße der dreischiffigen, dreijochigen Hallenkirche mit neugotischer Ausstattung. Die vier mächtigen romanischen Bündelpfeiler mit den Trapezkapitellen tragen ein gotisches Kreuzrippengewölbe aus dem 14. Jahrhundert. Legt man den Kopf in den Nacken, entdeckt man die neugotische Ausmalung, filigrane Blätter- und Blütenformen und plastische Tierköpfe, die seit der Restauration 2021 in frischen Farben erstrahlen.

Kirchenschiff

Licht – Sonne malt das Gestühl bunt

Der frisch sanierte Innenraum lässt die Kirche wieder freundlich hell erstrahlen. Die hohen gotischen Fenster sind überwiegend transparent verglast, jedoch am Rand und in den Rosetten in klaren bunten Farben gefasst. Je nach Sonnenstand färben sie Wände oder Gestühl ebenfalls bunt. Manchmal reicht der Abendsonnenstrahl so vom Eingangsportal bis zum Kreuz auf dem Altar.

Licht

Gestühl – freie Platzwahl?

Das Kirchengestühl bietet über 1000 Personen Platz. Man könnte also 3 Jahre lang fast täglich auf einem anderen Platz sitzen. Dennoch war es bis vor 100 Jahren üblich, sich seinen „eigenen“ Platz zu sichern. Gegen Bezahlung. Die damalige Positionierung ist zum Teil noch heute auf den Kirchenbänken nahe des Mittelgangs nachzulesen: „Tischler-Amt“, „Schneider-Innung“, „Tuchmacher-Amt“, „Aelterleute der Metallarbeiter“, „Lehrer-Stuhl“, „Schlachter-Frauen“, „Amtsrichter“, „Magistrat“ und andere Bezeichnungen repräsentieren Handwerk, Industrie und Verwaltung der Stadt Plau bis in die Zeit der Weimarer Republik.

Gestühl

Kanzel – erhöht, aber nicht von oben herab

Gottesdienste werden in Plau mit Herz und Seele gefeiert - von der Begrüßung bis zum Segen. Der gesamte Gottesdienst gestaltet sich wie ein Fest des Lebens. Ein zentrales Element ist die Predigt. Mit Blick zur Kanzel vernimmt die Gemeinde gute, kluge und tiefgründige Worte.

Kanzel

Sakristei – Zeit und Ewigkeit

Die Sakristei wurde im 14. Jahrhundert als zweijochiger Bau an den Chorraum der Kirche angefügt. Sie beherbergt heute ein besonderes Schmuckstück: restaurierte Fragmente eines Schnitzaltars aus dem 15. Jahrhundert. Er entstand vermutlich um 1480 in der Lübecker Werkstatt des Henning von der Heide. Sein Mittelteil zeigt die Kreuzigungsszene mit Figuren, die eine große Gefühlspalette zwischen Schmerz, Trauer und Verzweiflung, aber auch Ratlosigkeit, Spott und Verhöhnung darstellen. Die erhaltenen Seitenflügel zeigen die Handwaschung des Pontius Pilatus und die Beweinung Christi nach der Kreuzabnahme.

Sakristei

Altar – Licht und Dunkelheit

Der Altar der Plauer Kirche wird geprägt durch ein Bild der Kreuzigung Jesu. Es wurde vom in Plau geborenen Maler Friedrich Lange in Rom gemalt und von der Plauerin Sophie Micheel 1863 gestiftet.

Altar

Taufe – ein großer Kelch

Das bronzene Taufbecken (Fünte) in Kelchform ist mit niederdeutschen Bibelversen und zahlreichen Reliefs – darunter das mecklenburgische Wappen – geschmückt und steht in der Mitte des Altarraums. Es wurde 1570 in der Geschützgießerei der Plauer Burg von Evert Wichtendal gegossen.

Taufe

Kronleuchter – Marienglanz im Kranz

Den Kirchenraum schmücken zwei Kronleuchter. In der Nähe zum Kircheneingang hängt ein 16-armiger Lüster mit einem doppelköpfigen Adler als Bekrönung, den der Güstrower Kupferschmied Johann Christian Richter im Jahr 1728 stiftete. Einen ähnlichen Kronleuchter fertigte 1885 der Plauer Gelbgießer Theodor Lippert, der im nächsten Gewölbeabschnitt auf dem Weg zum Chorraum befestigt ist. 


Über dem Taufbecken, vor dem Altar, hängt ein neunarmiger Marienleuchter, der aus vorreformatorischer Zeit stammt. Filigran und versteckt findet man darin Muttergottes, Namensgeberin der Plauer Kirche, in einer Strahlenmandorla.

Kronleuchter

Orgel – Bunte Farbpalette im Klang

Auf der Westempore thront gut sichtbar die „Königin der Instrumente“, eine Orgel der Plauer Firma Wolfgang Nußbücker (Mecklenburger Orgelbau) aus dem Jahre 1980. Ihrer Vorgänger, die von Friedrich Friese III 1879 gefertigt wurde, konnten noch Windladen und einige Pfeifen zur Weiterverwendung entnommen werden. Orgelmusik stärkt der Gottesdienstgemeinde den Rücken und die Klangfarben der 27 Register erfreuen auch in Konzerten die Ohren der Zuhörer. Seit 2018 bereichert ein Zimbelstern den Orgelklang.

 

Orgelbauer

In Plau am See hat die Orgelbauwerkstatt „Mecklenburger Orgelbau“ ihren Sitz.

Hier geht's zur Homepage.

Orgel