Friedhofsgeschichte – ein Kommen und Gehen

Friehofsrundgang in Plau

 

Bis in das Jahr 1800 lag die Hauptbegräbnisstätte für die Bürger der Stadt Plau am See im direkten Umfeld der Marienkirche; außerhalb der Stadt befanden sich weitere kleine Friedhöfe. Die über Jahrhunderte andauernde Nutzung des begrenzten Areals um die Kirche zu Begräbniszwecken warf im 18. Jahrhundert zunehmende Probleme auf, da die Bevölkerung kontinuierlich wuchs. Die Stadt fasste den Entschluss zur Anlage eines neuen Friedhofs. Der neue Begräbnisplatz außerhalb der Stadtmauern, "Vor dem Steintore", wurde am 29. September 1800 geweiht und in Nutzung genommen.


Im Zuge des Wachstums der Stadt Plau erfolgte 1853 die erste Vergrößerung der Friedhofsfläche, der seit 1893 noch verschiedene Erweiterungen folgten. Heute umfasst der Plauer Friedhof eine Fläche von 4,5 ha.

Friedhofsgeschichte

 

Pestfelder? - Reich für urbane Legenden

Rechts und links der Hauptallee liegen Felder, die heute nicht mehr belegt sind. Es hält sich hartnäckig die Legende, dass dort früher Pesttote begraben wurden und aus diesem Grund der Boden nicht wieder aufgerissen werden darf.

 

Tatsächlich wurden aber die Verstorbenen, die nicht mehr in den Familiengräbern an der Kirche beigesetzt werden konnten, auf diesen ersten beiden Flächen des damals neuen Friedhofes bestattet – und sie erhielten "Ewiges Ruherecht". 

Pestfelder

Neues Stelenfeld - sonniger Gedenkplatz

Seit 2021 können Urnen auf einer neu angelegten Gemeinschaftsanlage beigesetzt werden, die mit Stelen und einem in Kreuzform angelegten Weg gestaltet wurde. 

Neues Stelenfeld

Grabmal Daries - Ehrenstein für einen Ziegeleibesitzer

Eduard Daries gründete 1850 eine Kalkbrennerei und später eine Ziegelei am Ufer des Plauer Sees. Die Ziegel waren von sehr guter Qualität und trugen das Markenzeichen „Daries Plau“. Nach dem Tod des Vaters führte Hermann Daries die Geschäfte weiter, bis 1914 die Fabrik niederbrannte. Es erfolgte kein Wiederaufbau der Ziegelei und 1917 verstarb Hermann Daries.


Der bekannte Plauer Bildhauer Wilhelm Wandschneider entwarf 1918 ein eindrucksvolles Grabmal für die Familie Daries, dessen Relief 2016 leider gestohlen wurde.

Daries

Grabmal Wentzel - Gutspächter vor den Toren Plaus

Victor Wentzel erwarb sich als Gutspächter einige Bedeutung. Er verwaltete in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts das Stadtgut Gaarz, das 4 km südwestlich von Plau lag. Es verfügte damals über 327 ha Weide- und Ackerflächen.

Wentzel

Naturdenkmal Stieleiche – älter als der Friedhof

Durch seinen Bestand von etwa 480 Bäumen trägt der Plauer Friedhof den Charakter eines naturnahen Parkfriedhofes. Der größte Teil des Baumbestandes ist weit über 100 Jahre alt und besteht überwiegend aus Linden, Eschen und Ahorn. Zu finden sind aber auch Eichen, Platanen, Birken, Blutbuchen und andere Arten. Betritt man den Friedhof vom Parkplatz aus, trifft man auf eine große Stieleiche, die seit 1939 als Naturdenkmal geführt wird.

Stieleiche

Grabmal Wandschneider - Grab eines grandiosen Bildhauers

Wilhelm Georg Johannes Wandschneider, geboren am 6. Juni 1866 in Plau am See, war Bildhauer und Medailleur. Leben und Werk des Künstlers, der auch international reüssierte, sind in einer Ausstellung im Burgmuseum Plau am See dokumentiert. Viele seiner Plastiken sind in Plau und Mecklenburg zu finden. Auch das Hamburger Rathaus und das Linzer Stadtmuseum warten mit Wandschneider-Figuren auf. Wilhelm Wandschneider wurde zu seinem 60. Geburtstag zum Ehrenbürger der Stadt Plau ernannt. Er starb am 23. September 1942.

Wandschneider

Grabmal Heinrich Haukohl - weithin sichtbares Andenken an einen Großkaufmann

Heinrich Friedrich Johann Haukohl wurde am 6. Juni 1841 in Plau am See geboren und avancierte zum Großkaufmann. Als Handelsrichter am Landgericht I und Ältester der Kaufmannschaft von Berlin genoss er großes Ansehen. 1886 ließ sich Haukohl in erstklassiger Lage in Wannsee bei Berlin die „Villa auf der Höh“ mit einem heute bebauten rund 20.000 m² großen Park errichten. 1901 stiftete Heinrich Haukohl zum Gedenken seiner Eltern zwei bronzene Altarleuchte für die Plauer Marienkirche. Verbunden mit einer Grabstiftung erfolgte 1902 die Errichtung eines Erbbegräbnisses auf dem Plauer Friedhof mit einem Grabmal nach dem Entwurf des Plauer Bildhauers Wilhelm Wandschneider. 1906 wurde Haukohl dort beigesetzt. 

 

Die zum Grabmal-Ensemble gehörige lebensgroße Figur wurde im Dezember 2006 gestohlen.

Haukohl

Grabmal Alban - gegossene Erinnerung

Johann Ernst Heinrich Alban wurde am 7. Februar 1791 in Neubrandenburg geboren und war Chirurg und Augenarzt. Berühmt wurde er allerdings als Pionier des Dampfmaschinenbaus. Er gründete 1840 in Plau eine eigene Fabrik, die 1842 um eine Eisengießerei erweitert wurde. Bis zu 60 Arbeiter bauten hier Dampfkessel und Dampfmaschinen, aber auch Textil- und Landwirtschaftsmaschinen sowie Wasserräder. Geräte des täglichen Bedarfs bis hin zu Treppengeländern und Grabkreuzen ergänzten die Produktpalette. 1845 lief in der Maschinenbauanstalt Ernst Alban der erste Personendampfer ALBAN vom Stapel. Der Seitenraddampfer befuhr die Strecke zwischen Plau und Malchow.


Am 13. Juni 1856 starb Alban als erster Ehrenbürger der Stadt in Plau und sein Grabmal ist das älteste erhaltene Grabmal auf dem Plauer Friedhof. Es wurde in der Alban’schen Eisengießerei gefertigt und 1997 saniert. Das steinerne Grabmal nach einem Entwurf von Wilhelm Wandschneider wurde 1941 gefertigt.

Alban

Grabmal Wilde - Erinnerung an einen großzügigen Mediziner

Leberecht Friedrich Wilhelm Wilde wurde am 24. November 1829 in Meyenburg geboren. Er studierte Medizin und wurde 1866 zum ersten Leiter des gerade eröffneten Plauer Stadtkrankenhauses berufen. 1880 errichtete er testamentarisch die „Dr.-Wilde-Stiftung“ mit einem Kapital von 6.000 Mark zur Unterstützung bedürftiger Kranker und mittelloser Medizinstudenten. Wilde wurde 1880 nach Ernst Alban der zweite Ehrenbürger der Stadt Plau, starb dort aber schon ein Jahr später. Seine Freunde und Patienten ließen ihm 1882 am Krankenhaus ein Denkmal errichten, das noch erhalten ist. Das einstige Plauer Stadtkrankenhaus dient seit 1994 als Altenhilfezenrum und trägt seinen Namen: „Dr.-Wilde-Haus“. 


Der gusseiserne Zaun, der die Wildesche Grabanlage umgab, wurde 2015/2019 gestohlen.

Wilde

Friedhofskapelle - Ort der Andacht

Das im 20. Jahrhundert als Gruft für die Familie Danckert errichtete Gebäude wurde in den 1970er Jahren erweitert und zur heutigen Friedhofskapelle umgebaut. Hier finden Trauerfeiern und Gottesdienste statt, die von der kleinen stationären Nußbücker-Orgel begleitet werden können.

Friedhofskapelle

Ehrenfriedhof - auch im Tod in Reih und Glied

Der Plauer Friedhof ist letzte Ruhestätte für 66 gefallene deutsche und russische Soldaten sowie Zivilisten, die hier im 2. Weltkrieg getötet wurden.

Ehrenfriedhof

Kapelle Zülow - die letzten Bleisärge von Plau

1924 wurde eine Kapelle für das Ehepaar Zülow auf dem Plauer Friedhof errichtet. Die sterblichen Überreste beider Ehegatten ruhen dort in frei stehenden Bleisärgen. Zwischenzeitlich war die Kapelle fast vollständig eingewachsen und wurde 2017 wieder freigelegt und teilweise saniert.

Kapelle Zülow

Friedhofswärterhäuschen - Sitz der Verwaltung

1853 wurde zur ersten Erweiterung des Plauer Friedhofes ein Totengräberhaus gebaut. Heute fungiert es als Friedhofswärterhäuschen und ist Sitz der Friedhofsverwaltung.

Friedhofswärterhäuschen